Die Befürchtung, eine Wärmepumpe könne bei einem Stromausfall explodieren, ist nach heutigem Stand der Technik unbegründet. Moderne Geräte, insbesondere solche mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290), unterliegen strengen Sicherheitsanforderungen. Damit es zu einer Explosion kommen könnte, müssten mehrere sehr unwahrscheinliche Ereignisse gleichzeitig eintreten: ein Leck im geschlossenen Kältemittelkreislauf, das Austreten des Propans in einen geschlossenen Raum mit Erreichen einer zündfähigen Konzentration sowie das gleichzeitige Vorhandensein einer Zündquelle.
In der Praxis befindet sich das Kältemittel bei Monoblock- wie auch bei Splitanlagen im Außengerät, und die Füllmengen liegen typischerweise bei etwa 1,5 bis 2 Kilogramm. Bei einem Leck verflüchtigt sich Propan aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften rasch in die Umgebungsluft.
Der Bundesverband Wärmepumpe weist darauf hin, dass bei fachgerechter Planung, Installation und Wartung die Wahrscheinlichkeit einer Explosion extrem gering ist.
Zum Vergleich: Gasheizungen führen im laufenden Betrieb deutlich größere Mengen brennbaren Gases in das Gebäude, ohne dass dies als außergewöhnliches Risiko wahrgenommen wird.
Das tatsächlich relevante Risiko bei einem längeren Stromausfall im Winter ist nicht Feuer, sondern Frost. Dieses betrifft jedoch ausschließlich einen bestimmten Anlagentyp, nämlich Monoblock-Wärmepumpen. Bei diesen Systemen wird das Heizungswasser direkt durch das Außengerät geführt. Kommt es bei niedrigen Außentemperaturen zu einem Stromausfall, steht die Umwälzung still, und das Wasser kann gefrieren. Da sich Wasser beim Gefrieren um rund neun Prozent ausdehnt, entstehen sehr hohe Drücke, die insbesondere den Wärmetauscher beschädigen oder zerstören können. Split-Wärmepumpen sind hiervon nicht betroffen, da sich außerhalb des Gebäudes lediglich Kältemittel befindet, das bei üblichen Wintertemperaturen nicht gefriert.
Wie schnell es bei Monoblock-Anlagen kritisch wird, hängt stark von der Dämmung und den Umgebungsbedingungen ab. Gut gedämmte Außeneinheiten können bei Temperaturen um minus zehn Grad Celsius einen Stromausfall von zehn bis zwölf Stunden schadlos überstehen. Bei unzureichender Dämmung können jedoch bereits nach wenigen Stunden schwere Frostschäden auftreten. Ein geplatzter Wärmetauscher stellt in der Praxis häufig einen wirtschaftlichen Totalschaden dar, da Reparaturkosten im Bereich von mehreren tausend Euro liegen können.
Vorsorge, Notstrom und richtiges Verhalten nach dem Blackout
Um Frostschäden zu vermeiden, greifen Betreiber von Monoblock-Wärmepumpen häufig zu präventiven Maßnahmen. Eine Möglichkeit ist die Beimischung von Frostschutzmitteln auf Glykolbasis zum Heizungswasser. Diese Maßnahme ist technisch wirksam, geht jedoch mit einer dauerhaften Effizienzminderung einher, da Glykol eine geringere Wärmekapazität und eine höhere Viskosität als Wasser aufweist. Der erhöhte Pumpenaufwand führt zu einem messbaren Mehrverbrauch an elektrischer Energie. Eine andere Option sind automatische Frostschutzventile, die bei Unterschreiten einer bestimmten Wassertemperatur öffnen und Wasser ablassen. Diese Ventile müssen ungedämmt bleiben, um korrekt zu funktionieren, was im Normalbetrieb zu zusätzlichen Wärmeverlusten führt und eine fachgerechte Installation erforderlich macht.
Der Betrieb einer Wärmepumpe über ein Notstromaggregat ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch besondere Sorgfalt. Moderne Wärmepumpen verfügen über empfindliche Leistungselektronik, die auf eine stabile Stromqualität angewiesen ist. Günstige Generatoren liefern häufig keine saubere Sinusspannung, was zu Schäden an Steuerung und Frequenzumrichtern führen kann. Für den Notbetrieb sind daher ausschließlich Inverter-Generatoren geeignet, die netzähnliche Spannungsqualität bereitstellen. Zusätzlich muss der Generator so dimensioniert sein, dass er den hohen kurzzeitigen Anlaufstrom des Kompressors bewältigen kann.
Nach einem längeren Stromausfall bei niedrigen Temperaturen ist auch die Wiederinbetriebnahme mit Bedacht vorzunehmen. Ein sofortiges Einschalten kann den Kompressor schädigen, da sich bei Kälte flüssiges Kältemittel im Öl sammeln kann. Um einen sogenannten Flüssigkeitsschlag zu vermeiden, sollte die Anlage zunächst mehrere Stunden im Standby-Modus verbleiben, damit die integrierte Ölsumpfheizung das Öl erwärmt und das Kältemittel verdampfen kann. Zudem ist zu beachten, dass sich bei mehrtägigem Ausfall der Warmwasserbereitung hygienisch kritische Temperaturbereiche im Trinkwasserspeicher einstellen können. Nach der Wiederinbetriebnahme empfiehlt sich daher eine einmalige Aufheizung auf über 60 Grad Celsius zur thermischen Desinfektion.
Fazit
Die Diskussion über angeblich explodierende Wärmepumpen verfehlt den Kern der tatsächlichen Risiken. Entscheidend ist nicht eine theoretische Explosionsgefahr, sondern der sachgerechte Umgang mit dem realen Frost- und Betriebsrisiko bei Stromausfällen. Diese Risiken sind technisch beherrschbar, setzen jedoch Wissen, Vorbereitung und geeignete Schutzmaßnahmen voraus. Für informierte Betreiber stellt ein Blackout kein unkalkulierbares Szenario dar, für unvorbereitete kann er hingegen erhebliche finanzielle Folgen haben.