Das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) unterstützt Städte und Gemeinden als zentrale Beratungsstelle dabei, die klimaneutrale Wärmeversorgung vor Ort zu planen und umzusetzen. Es stellt dafür Fachwissen, praktische Leitfäden und Vernetzungsmöglichkeiten bereit, um die gesetzlichen Anforderungen der kommunalen Wärmeplanung effizient zu bewältigen. Eine aktuelle Auswertung des KWW liefert ein erstmals belastbares Gesamtbild zur kommunalen Wärmeplanung in Deutschland. Erfasst wurden 10.754 Kommunen.
Ein vergleichsweise kleiner Teil der Kommunen hat seine Wärmeplanung bereits abgeschlossen (8 %), knapp die Hälfte (45 %) befindet sich aktiv im Prozess, während bei 48 % der Städte und Gemeinden der Status noch offen oder formal noch nicht mit den erforderlichen Maßnahmen begonnen worden ist.
Diese rein kommunale Betrachtung verzerrt jedoch etwas die Realität, denn die bevölkerungsstarken Städte sind überdurchschnittlich weit – ein Großteil der Bevölkerung lebt entsprechend bereits heute in Kommunen mit laufender oder abgeschlossener Wärmeplanung. Diese Entwicklung war zu erwarten: Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) setzt klare Fristen, priorisiert große Städte und lässt kleineren Gemeinden bewusst mehr Zeit.
Differenzierung nach Kommunengröße: Größe entscheidet über Tempo
Deutschland zählt rund 80 Großstädte. Sie stehen im Zentrum der Wärmewende. Nahezu alle befinden sich im Planungsprozess, viele haben bereits veröffentlichte oder politisch beschlossene Wärmepläne. Der Anteil der Bevölkerung in Großstädten mit laufender Planung liegt bei über einem Drittel der gesamten Bevölkerung dieser Kategorie. Die Ursachen für diesen zeitlichen Vorsprung liegen auf der Hand: Großstädte verfügen über eigene Stadtwerke, belastbare Energiedaten, Fachpersonal und politische Strukturen, um komplexe Infrastrukturentscheidungen – etwa für Wärmenetze, Großwärmepumpen, Abwärmenutzung oder Geothermie – strategisch zu treffen. Zudem gilt für sie die verbindliche Frist 30. Juni 2026, was den Umsetzungsdruck erheblich erhöht.
Bei den mittelgroße Kommunen mit 10.000 bis 100.000 Einwohner gestaltet sich die Sachlage etwas anders: Diese Gruppe umfasst 1.518 Städte und Gemeinden und ist für die Fläche besonders relevant. Rund zwei Drittel befinden sich im aktiven Planungsprozess, ein wachsender Anteil hat bereits abgeschlossene Konzepte.
Charakteristisch ist hier ein hybrider Ansatz: Eigene Verwaltungskapazitäten werden häufig durch externe Planungsbüros ergänzt, oft in enger Abstimmung mit regionalen Energieversorgern. Diese Kommunen gelten als „Brücke“ zwischen strategischer Planung und praktischer Umsetzung, da sie sowohl für Wärmenetze als auch für dezentrale Lösungen relevant sind.
Kleine Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohner stellen mit etwa 9.150 Gemeinden den Löwenanteil. Gleichzeitig ist hier der Fortschritt aber am geringsten. Mehr als die Hälfte weist noch keinen klaren Planungsstatus auf, abgeschlossene Wärmepläne sind die Ausnahme. Das ist jedoch kein Versäumnis, sondern systembedingt und noch immer in der geltenden Frist. Kleine Kommunen haben laut Gesetz bis 30. Juni 2028 Zeit. Fast überall erfolgt die Planung über Konvoi-Modelle, also gemeinsame Verfahren mehrerer Gemeinden, um Kosten, Datenaufbereitung und Vergaben zu bündeln.
Bundesländer im Vergleich – deutliche Unterschiede
Baden-Württemberg nimmt bundesweit eine Sonderstellung ein. Von 1.101 Kommunen haben bereits 27 % ihre Wärmeplanung abgeschlossen, weitere 39 % befinden sich im Umsetzungsprozess. Der Grund dafür ist eine landesrechtliche Verpflichtung zur Wärmeplanung, die bereits seit 2020 gilt.
Schleswig-Holstein folgt mit einer großen Zahl laufender und abgeschlossener Planungen und Projekte. Trotz vieler kleiner Gemeinden ist das Land strukturell weit, da früh auf standardisierte Verfahren gesetzt wurde. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zeigen hohe Aktivitätsraten. In NRW befinden sich fast 70 % der Kommunen im Planungsprozess, der Anteil unbekannter Stände ist vergleichsweise gering. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz stechen durch eine besonders hohe Zahl an Konvoi-Verfahren hervor – ein pragmatischer Ansatz für Flächenländer mit vielen kleinen Gemeinden.
Bayern, Sachsen, Thüringen und Brandenburg weisen niedrige Abschlussquoten auf, teils unter fünf Prozent. Besonders Bayern fällt durch einen sehr hohen Anteil formell nicht gestarteter Verfahren auf. Gründe sind weniger politische Ablehnung als vielmehr sehr kleinteilige Kommunalstrukturen, begrenzte Verwaltungskapazitäten und spätere organisatorische Weichenstellungen.
Bundesweit sind 4.016 Kommunen in 518 Konvois organisiert. Dieses Modell ist inzwischen das dominierende Instrument für kleine und mittlere Gemeinden. Es ermöglicht standardisierte Ausschreibungen, gemeinsame Datengrundlagen und einen wirtschaftlich tragfähigen Zugang zu Fördermitteln. Fachlich gilt das Konvoi-Modell als unverzichtbar, um die kommunale Wärmeplanung bis 2028 flächendeckend umzusetzen.
Die Zahlen zeigen eindeutig: Die kommunale Wärmeplanung ist flächendeckend angelaufen und entwickelt sich auch angesichts der zeitlichen Vorgaben stetig weiter. Strategisch sind vor allem die Großstädte weit, organisatorisch holen die mittleren Kommunen auf, während kleine Gemeinden zeitversetzt folgen. Ab 2026 verschiebt sich der Fokus von Karten, Szenarien und Zielbildern hin zu Investitionsentscheidungen, Genehmigungen und Bau. Ob aus der kommunalen Wärmeplanung tatsächlich eine Wärmewende wird, entscheidet sich nicht an der Zahl der Konzepte, sondern an Finanzierung, Fachkräften und der Fähigkeit, Planung rechtssicher in reale Infrastruktur zu überführen.
Status der Projekte/Planungen der Kommunale Wärmeplanung in den Bundesländern
|
Bundesland |
Abgeschlossen (%) |
Im Prozess (%) |
Stand unbekannt (%) |
|
Baden-Württemberg |
27 % |
39 % |
34 % |
|
Bayern |
3 % |
35 % |
62 % |
|
Berlin |
0 % |
100 % |
0 % |
|
Brandenburg |
3 % |
31 % |
66 % |
|
Bremen |
50 % |
50 % |
0 % |
|
Hamburg |
0 % |
100 % |
0 % |
|
Hessen |
3 % |
43 % |
54 % |
|
Mecklenburg-Vorpommern |
6 % |
46 % |
48 % |
|
Niedersachsen |
4 % |
61 % |
35 % |
|
Nordrhein-Westfalen |
13 % |
69 % |
18 % |
|
Rheinland-Pfalz |
9 % |
62 % |
29 % |
|
Saarland |
4 % |
77 % |
19 % |
|
Sachsen |
3 % |
26 % |
71 % |
|
Sachsen-Anhalt |
4 % |
56 % |
40 % |
|
Schleswig-Holstein |
6 % |
28 % |
67 % |
|
Thüringen |
1 % |
24 % |
76 % |
Quelle: Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW)
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