Die Vorstellung, Wärmepumpen eigneten sich ausschließlich für Neubauten, hält den vorliegenden Gebäudedaten kaum stand. Eine Auswertung für den „Techem Atlas für Energie, Wärme und Wasser 2026“ umfasst rund 94.000 Gebäude mit mehr als 1,1 Millionen Wohnungen in Deutschland. Sie zeigt: Ein großer Teil der Mehrfamilienhäuser kann bereits heute mit vergleichsweise überschaubaren Anpassungen auf Niedertemperaturheizungen umgestellt werden.
Rund 40 Prozent der untersuchten Mehrfamilienhäuser sind auch ohne Heizkörpertausch für den Wärmepumpenbetrieb geeignet. Werden einzelne veraltete Heizkörper gezielt durch leistungsfähigere Standardmodelle ersetzt, steigt der Anteil gar auf etwa 80 Prozent. Mit modernen Gebläse-Niedertemperaturheizkörpern lässt sich die Eignung auf bis zu 90 Prozent erhöhen. Nur bei ungefähr jedem zehnten Gebäude wären aufwendigere Maßnahmen wie Flächenheizungen oder eine umfassende zusätzliche Dämmung erforderlich. Eine vollständige Sanierung des Hauses ist daher häufig nicht notwendig.
Niedrigere Heizkosten durch passende Heizkörper und Vorlauftemperaturen
Auch die Heizkosten sprechen für einen genaueren Blick auf die Technologie. Laut der Auswertung lagen die durchschnittlichen Kosten für die Raumheizung im Jahr 2025 bei Wärmepumpen bei 8,80 Euro pro Quadratmeter. Damit waren sie niedriger als bei Pelletheizungen mit 9,36 Euro, Ölheizungen mit 12,97 Euro, Erdgas mit 13,92 Euro und Fernwärme mit 16,02 Euro pro Quadratmeter. Die tatsächlichen Kosten können je nach Gebäude, Energiepreisen, Wetter und Anlagenbetrieb variieren. Die Vergleichswerte liefern jedoch einen Hinweis auf das mögliche Einsparpotenzial.
Für die Effizienz im Bestand der Mehrfamilienhäuser ist entscheidend, ob das Heizsystem die Räume auch an kalten Tagen mit einer ausreichend niedrigen Vorlauftemperatur versorgen kann. Eine Heizleistungsreserve von etwa 40 Prozent kann ausreichen, um eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3 zu erreichen. In vielen Bestandsgebäuden ist ein Teil dieser Reserve bereits vorhanden, weil Heizkörper großzügig dimensioniert wurden. Wo sie fehlt, kann der Austausch einzelner Heizkörper die erforderliche Leistung oft deutlich erhöhen. Häufig betrifft das vor allem Wohn- und Kinderzimmer; weniger intensiv genutzte Räume können unter Umständen unverändert bleiben.
Photovoltaik, Digitalisierung und optimierte Regelung steigern die Effizienz
Zusätzliche Vorteile entstehen durch die Verbindung mit Photovoltaik und digitaler Messtechnik. Selbst in den Wintermonaten können Solaranlagen einen Teil – mitunter bis zu 30 Prozent – des Strombedarfs im Gebäude decken. Fernablesbare Verbrauchserfassungsgeräte schaffen außerdem eine bessere Datengrundlage für transparente Abrechnungen und künftige Versorgungsmodelle. Ihre Verbreitung ist allerdings nicht gleichbedeutend mit einer flächendeckenden Ausstattung mit intelligenten Messsystemen.
Auch die Betriebsführung beeinflusst den Energieverbrauch: Ein Teil der bereits installierten Wärmepumpen arbeitet laut der Studie nicht optimal. Eine Überprüfung und Anpassung der Regelung kann die Effizienz verbessern, ohne dass dafür zwingend neue Hardware erforderlich ist. Die ausgewerteten Daten sprechen dafür, Wärmepumpen im Mehrfamilienhausbestand systematisch zu prüfen, statt ihre Eignung pauschal auszuschließen. In vielen Fällen ermöglichen gezielte Anpassungen den Umstieg auf ein Niedertemperatursystem – mit überschaubarem baulichem Aufwand und vergleichsweise niedrigen laufenden Heizkosten.
Weitere Informationen:
Techem – Der Techem Atlas 2026 (Link)
Umweltbundesamt – Gebäudecheck: Ist mein Haus bereit für die Wärmepumpe? (Link)