Die Energiewende ist längst im Alltag angekommen. Steigende Strompreise, geopolitische Unsicherheiten und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit sorgen dafür, dass immer mehr Hausbesitzer über eine eigene Entscheidung an: Soll die Solaranlage gekauft oder gemietet werden?
Eine Solaranlage mieten? Viele Hausbesitzer wissen nicht, dass dies möglich ist und welche möglichen Vorteile mit einem solchen Modell verbunden sind. Kauf und Miete unterscheiden sich deutlich in Kosten, Flexibilität und langfristiger Wirtschaftlichkeit.
Beim Mietmodell, häufig auch als „Solar-as-a-Service“ bezeichnet, zahlt man eine feste monatliche Rate an einen Anbieter. Dieser bleibt Eigentümer der Anlage und übernimmt Planung, Installation, Wartung und Betrieb. Der größte Pluspunkt der Miete liegt im einfachen Einstieg. Hohe Anfangsinvestitionen entfallen vollständig. Während der Kauf einer Photovoltaikanlage schnell 15.000 bis 25.000 Euro kosten kann, starten Sie bei der Miete ohne Eigenkapital. Gerade für Haushalte, die keine Rücklagen einsetzen oder keinen Kredit aufnehmen möchten, ist das attraktiv.
Hinzu kommt das Rundum-sorglos-Prinzip. Wartung, Versicherung und Reparaturen liegen vollständig beim Anbieter. Fällt etwa nach 12 bis 15 Jahren der Wechselrichter aus, entstehen für den Hausbesitzer keine zusätzlichen Kosten. Auch die Planungssicherheit spricht für dieses Modell: Die monatlichen Raten sind über 20 bis 25 Jahre festgeschrieben und bleiben in vielen Fällen auch bei einer Inflation stabil.
Die Nachteile der Miete: Teuer erkaufte Sicherheit
Was auf den ersten Blick komfortabel wirkt, entpuppt sich langfristig oft als kostspielig. Mietmodelle enthalten stets Gewinnmargen und Risikoaufschläge der Anbieter. Über die gesamte Laufzeit zahlen Mieter deutlich mehr als den ursprünglichen Kaufpreis.
Ein weiterer Nachteil liegt im Steuerrecht. Während beim Kauf von Anlagen bis 30 kWp seit 2023 ein Mehrwertsteuersatz von 0 Prozent gilt, fällt auf die monatliche Miete je nach Vertragsgestaltung zumeist die volle Umsatzsteuer von 19 Prozent an. Zusätzlich sind Mieter in ihrer Flexibilität eingeschränkt. Erweiterungen, etwa für eine Wallbox oder einen größeren Stromspeicher, sind häufig nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.
Besonders problematisch kann die Miete beim Hausverkauf werden. Der Käufer muss den bestehenden Mietvertrag übernehmen, was die Immobilie für viele Interessenten unattraktiver macht. In einschlägigen Foren wird eine gemietete Solaranlage nicht selten als echtes Verkaufshemmnis beschrieben.
Die Kosten im Detail
Die monatlichen Mietraten variieren je nach Anlagengröße deutlich. Kleine Anlagen beginnen häufig bei 50 bis 80 Euro pro Monat. Für ein typisches Einfamilienhaus mit rund 10 kWp Leistung und Batteriespeicher liegen die Raten meist zwischen 150 und 250 Euro monatlich.
Über 20 Jahre summieren sich diese Zahlungen auf etwa 45.000 bis 60.000 Euro. Zum Vergleich: Der Kauf einer vergleichbaren Anlage inklusive Wartungsrücklagen verursacht über denselben Zeitraum hingegen nur Gesamtkosten von rund 27.000 bis 34.250 Euro. Der Unterschied ist erheblich und macht deutlich, wie hoch der Preis für die Bequemlichkeit zu veranschlagen ist.
Wirtschaftlichkeitsvergleich: Wer gewinnt langfristig?
Ein Praxisbeispiel zeigt die Unterschiede klar. Käufer einer PV-Anlage können nach 20 Jahren, abhängig von Strompreis und Eigenverbrauch, einen Nettogewinn von etwa 13.700 bis 15.000 Euro erzielen. Mieter hingegen landen häufig bei einem Nullsummenspiel oder sogar einem leichten Verlust gegenüber dem reinen Netzstrombezug. Die finanzielle Rendite bleibt aus, weil ein Großteil der Einsparungen durch die Mietrate aufgezehrt wird. Nach Ablauf von 20 bis 25 Jahren bieten die Anbieter unterschiedliche Optionen an. Möglich sind die Rückgabe der Anlage, eine Vertragsverlängerung oder der Kauf zum Restwert. Einige Anbieter werben damit, dass die Anlage nach Vertragsende für einen symbolischen Euro übernommen werden kann. Ob dieses Versprechen wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt stark vom tatsächlichen Zustand der Anlage ab.
Miete bleibt eine Nischenlösung
Die Miete einer Solaranlage kann sinnvoll sein, wenn keinerlei Eigenkapital verfügbar ist, kein Kredit aufgenommen werden soll und maximale Bequemlichkeit im Vordergrund steht. Wer jedoch langfristig denkt, den Wert seiner Immobilie steigern und den maximalen finanziellen Ertrag erzielen möchte, fährt mit dem Kauf deutlich besser. Förderprogramme und günstige KfW-Kredite erleichtern den Einstieg zusätzlich.